Diesem Vers ist der Titel der vorliegenden Arbeit entnommen: „Die Schatten der himmlischen Dinge“. Dieser einzelne Vers gibt schon viele Hinweise, die das Thema der Arbeit betreffen: Typologie im Hebräerbrief. Es kommt darin eine spezielle Ausformung des typologischen Denkens zum Ausdruck, die von einer Entsprechung zwischen himmlischen Urbildern und irdischen Abbildern ausgeht. Jedoch, und auch das macht der Vers schon deutlich, sieht der Hebräerbrief das irdische Abbild nicht durch sein himmlisches Vorbild aufgewertet wie im Judentum üblich; vielmehr sieht er in den Abbildern des Alten Bundes einen bloßen Schatten der himmlischen Dinge, zu denen die Gläubigen durch den Neuen Bund Zugang erhalten. Weiterhin spricht dieser Vers von den himmlischen Dingen als Typen (entsprechend Hebr 9,24 von den irdischen Abbildern als Antitypen). Damit ist die typologische Terminologie im Vergleich zu Paulus, Petrus und dem bis heute üblichen Gebrauch vertauscht: Ist der Antitypos sonst die gesteigerte Erfüllung des Typos, ist er im Hebräerbrief der schwache irdische Schatten der wahren himmlischen Realitäten. So macht schon allein dieser eine Vers die Relevanz des Themas deutlich. Denn der Hebräerbrief bedient sich eines sehr charakteristischen typologischen Denkens, wie es sich sonst in dieser Form nirgends im NT findet.

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